Bullshitradar
Bullshit-Radar
August 2014 Juli 2021 in Strategie und Planung

Unzählige Werbebotschaften im Internet, in der Zeitung oder Zeitschrift und im Fernsehen bekommen die Verbraucher täglich zu hören und zu sehen. Viele Kommunikationswissenschaftler kommen gar auf eine durchschnittliche Anzahl an Werbebotschaften von 2.500 bis 10.000 pro Tag — je nachdem, welche Studie man zurate zieht. Diese Werte sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn nicht jeder Rezipient nimmt Werbung auf die gleiche Art und Weise wahr. Gerade im Zeitalter des Content-Marketings werden Werbebotschaft geschickt in spannenden Geschichten und Abenteuern versteckt. Präsentiert werden sie über so viele verschiedene Plattformen, dass die dünne Linie zwischen Fiktion und Werbung immer mehr verschwimmt. 

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Ob etwas Werbung ist oder nicht, wird sehr subjektiv empfunden und ist daher kontextuell, individuell zu entscheiden.

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Wer sich täglich im Internet durch Websites, Blogs und soziale Netzwerke bewegt, aber auch, wer einfach nur vor die Haustür zum Einkaufen geht, hat ein System, wie er Relevantes von Irrelevantem in Sekundenbruchteilen unterscheiden kann, das auf einem individuellen »Bullshit-Radar« basiert. Gemeint ist damit das untrügliche Gespür für hohle Floskeln, Werbe-Phrasen und leere Versprechen, die in adretter Verpackung in unser Bewusstsein schleichen wollen. Bei den allermeisten Menschen leuchten dann sofort die Warnsignale auf und der Botschaft wird ein für alle Mal der Zutritt verwehrt.
Das war nicht immer so — dass Informationen jederzeit und fast überall verfügbar sind, verdanken wir dem allgegenwärtigen Internetzugang auf Smartphone, Tablet & Co. Die klassische Internetnutzung mit Computer und Notebook ist durch alle Bevölkerungsschichten zur Norm geworden.

Auch die Anzahl der von Smartphone-User steigt rasant. 2020 besitzen 89 % der Deutschen ein Smartphone, davon nutzen es 94 % täglich. Weltweit besitzen 3,5 Milliarden Menschen ein Smartphone. Der Trend wird eher noch zunehmen, so bringen uns doch unterhaltsame und nutzlose Apps wie TikTok dazu, Tage und Nächte mit dem Smartphone zu verbringen. Gerade 2020 hat uns aber auch gezeigt, wie wichtig das Smartphone in einem veränderten Alltag ist. "Google Pay" und "Apple Pay" erleichtern das kontaktlose Bezahlen, Lieferando ist nicht mehr wegzudenken und die Corona-App funktioniert auf einem alten Nokia 8210 nicht.

Die Smartphone-Dichte in Deutschland führt dazu, dass Inhalte jederzeit abgerufen werden können. Das generiert mehr Traffic, verlangt aber auch mehr Sorgfalt in der Erstellung.

Informationen – jederzeit und überall

Weil Informationen jederzeit und fast überall verfügbar sind, sind Rezipienten nicht mehr darauf angewiesen, die Informationsausschnitte zu akzeptieren, die man ihnen hinwirft. Sie werden selbst aktiv, stellen Fragen und informieren sich. Sie sind kritisch — ein wichtiges Werkzeug für diese Rezipienten ist dabei das Bullshit-Radar als Frühwarnsystem, das vor Inhalten warnt, die nicht das sind, für das sie sich ausgeben; oder erkennt, wenn Marken und Unternehmen nicht ehrlich kommunizieren. Oberflächliche, fehlerhafte Informationen, substanzloser "Werbesprech" oder gar Maschinentext, der mehr für Google als für Menschen gemacht ist, kann 2020 keine erfolgreiche Markenkommunikation sein.

Wenn die Generation Z (ab Jahrgang 2000 bis 2010) schon einen sehr gut und schnell funktionierenden Bullshit-Radar besitzt, so werden wir in der Generation Alpha (2010-2025) die wahren Meister der Kommunikationsstrukturen und -Technologien des 21. Jahrhunderts sehen.

Wenn Marken ihre Kunden nicht mehr wie bisher erreichen können, haben die althergebrachten Kommunikationsmittel und -wege ausgedient. Was also tun, wenn man mit seinen Kunden in Kontakt treten will? Den modernen Kunden erreicht man Einfachsten durch offene und ehrliche Kommunikation. Das heißt: echter Nutzen und gute Unterhaltung und zu gegebener Zeit und nur im richtigen Zusammenhang offen nach dem Geschäftsabschluss fragen. Menschen brauchen Tipps von Experten, sie wollen Informationen und Hintergründe zu Produkten und sie interessieren sich für spannende, witzige und authentische Geschichten. Nur genervt werden wollen sie nicht mehr - sehr wahrscheinlich wollten sie es noch nie.

Der Weg zu dieser Kommunikation auf Augenhöhe führt über Kontext-Strategie und Content-Kommunikation. Wichtig sind die Fragen: Was sind für unsere (potenziellen) Kunden relevante Inhalte? In welcher Form wollen sie diese Inhalte? In welchem Kontext steht unsere Kommunikation? Der Kontext definiert den Rahmen für das Marketing über Inhalte. So entsteht Kontext-Kommunikation.

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