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Whole System Mapping – Brainstorming mit Weitblick

im Juli 2017
von Christine Steinhart

Wer einen Sinn für Weitblick hat, wird mit dieser Methode zur Produktentwicklung schnell warm werden: Beim Whole System Mapping betrachtet man nicht nur das Produkt, sondern das ganze System, in das es eingebunden ist. Am Ende dieser Methode steht eine Idee, die nicht zwangsläufig ein bestehendes Produkt verbessert, sondern vor allem nach neuen Wegen sucht, um ein bestimmtes Problem zu lösen. Dahinter steckt der Gedanke, dass das Produkt in den meisten Fällen schon maximal energieeffizient, ressourcenschonend oder emissionsarm konstruiert ist. Wer eine Waschmaschine der höchsten Energieeffizienzklasse noch ressourcensparender machen möchte, stößt schnell an die Grenzen der Ingenieurskunst – der Spielraum für solch offensichtliche Optimierungen ist in den meisten Fällen schlichtweg ausgereizt.

In diesem Fall lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und zunächst das Problem zu definieren:

1 – Betrachte das gesamte System!

Nehmen wir einen Trockner als Beispiel: Hier visualisiert man den Prozess, in den das Gerät eingebunden ist: Klamotten werden getragen, gewaschen, getrocknet. Es ist wichtig, schon in diesem frühen Stadium Experten wie Techniker oder Textildesigner hinzuziehen – sie helfen, das Problem richtig zu verstehen.

2 – Führe eine Lebenszyklusanalyse durch!

Bei der Lebenszyklusanalyse, auch Ökobilanz genannt, werden alle Umwelteinflüsse entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts identifiziert: von der Produktion über die Nutzung bis hin zur Entsorgung. Wie viel CO2 wird emittiert? Welche giftigen Substanzen entstehen? Die Analyse sollte alle Umwelteinflüsse so genau wie möglich erfassen. Um die Ergebnisse besser bewerten zu können, vergleicht man sie mit repräsentativen Referenzgrößen: Wie hoch ist der Rohstoffeinsatz bei anderen Elektrogeräten? Wie viel Energie verbrauchen andere Trockensysteme?

3 – Identifiziere Verbesserungsmöglichkeiten und definiere Ziele!

Mit den Erkenntnissen aus der Lebenszyklusanalyse stellt man sich die Frage: Welche Verbesserung bietet das größte Potenzial? Unser Trocknerbeispiel zeigt einen enorm hohen Energieverbrauch während der Nutzung – Ziel ist somit, den Energieverbrauch zu reduzieren. Das Ziel wird mit konkreten, realistischen Messgrößen genauer definiert: 20% Energieeinsparung beim Trocknen. Außerdem wird es mit anderen Projektzielen wie beispielsweise Nutzerfreundlichkeit kombiniert.

Jetzt geht es an die Problemlösung: Die Idee, das Heizsystem effizienter zu gestalten, ist die erste und offensichtlichste Herangehensweise. Aber was, wenn dieser Weg keinen weiteren Spielraum zur Optimierung bietet? Auch hier gilt: nochmals einen Schritt zurücktreten!

4 – Suche nach Lösungen im gesamten System!

Brainstorming! Aber im gesamten System. Wenn der Trockner selbst kein Verbesserungspotenzial mehr bietet, kann vielleicht ein anderer Punkt im Prozess verändert werden, um das definierte Ziel zu erreichen. Ein Beispiel könnte sein, eine Waschmaschine zu entwerfen, die Kleider länger schleudert und somit weniger nass zum Trocknen weitergibt. Es sollen möglichst viele Lösungen für alle möglichen Punkte im Prozess gefunden werden. Visualisierungen helfen: Sieht man die Lösungen im Kontext, führt eine Idee zur anderen.

5 – Bewerte die Lösungen!

Unrealistische Lösungen werden aussortiert. Dann wird priorsiert: Welche der verbleibenden Ideen erfüllen die definierten Anforderungen? Für unser Beispiel heißt das: Wieviel Energie lässt sich durch eine bestimmte Maßnahme beim Trocknen von Kleidung einsparen? Welche Kosten verursacht diese Verbesserung? Ist die Optimierung nutzerfreundlich? Voraussetzung für eine realistische Bewertung sind korrekte Annahmen, die mithilfe von Experten ermittelt werden müssen. Am Ende dieses Schrittes steht dann eine, vielleicht auch zwei vielversprechende Ideen, die bereit zur Umsetzung sind.

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