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The next big thing: Thing-Centered Design

Christine Steinhart

im Mai 2017
von Christine Steinhart

Unsere Gabel zählt die Kalorien für uns und plaudert unsere Essengewohnheiten an unser Smartphone weiter. Das Smartphone schlägt unmittelbar vor, die Chips am Abend durch Rote-Beete-Sticks zu ersetzen – so könnten wir verhindern, mit unserem BMI in den roten Bereich zu rutschen. Unsere Tasse erinnert daran, dass wir von unserem Tagesziel, zwei Liter Flüssigkeit zu trinken, noch drei Gläser entfernt sind und bietet freundlich einen Schluck Tee an.

Durch das Internet der Dinge wird dieses Szenario möglich: Alltagsgegenstände wie eine Gabel, eine Tasse oder ein Teekessel sind miteinander vernetzt, sammeln Daten und kommunizieren mit uns und untereinander.

Das Internet der Dinge ist noch eine Zukunftsvision

Derzeit sind die meisten Lebensbereiche vom Internet der Dinge aber noch unberührt. Auch wenn eine Vernetzung technologisch an vielen Punkten möglich wäre – Online- und Offline-Welt führen ein weitgehend getrenntes Dasein.

Was muss passieren, damit sich das Internet der Dinge durchsetzen kann? Diese Frage stellen sich Wissenschaftler der TU Delft im „Connected Everyday Lab“. Sie forschen zum Design für eine komplexe Welt, in der Menschen und Objekte zunehmend miteinander verknüpft sind. Eine wichtige Antwort auf die Frage, wie man die Interaktion zwischen Mensch und Objekt besser gestaltet, ist Thing-Centered Design.

Nach Human-Centered Design: Thing-Centered Design

Wenn wir tagtäglich mit einer Vielzahl technischer Geräten kommunizieren, muss die Art der Kommunikation besser, durchdachter werden. Der Zugang zu den technologischen Möglichkeiten soll einfach und intuitiv sein und die smarten Objekte sollen sich elegant in unser tägliches Leben einfügen.

Technology should be rich, it shouldn’t be just about tapping on a screen.

-- Elisa Giaccardi, Direktorin des “Connected Everyday Lab”

Ein Beispiel wie ein solch durchdachtes Design aussehen kann, ist Mizu, ein intelligentes Waschbecken. Mizu versteht allgemeingültige Gesten: Soll heißes Wasser aus dem Wasserhahn kommen, reibt man über einen bestimmten Bereich des Waschbeckens – so als würde seine Hände reiben, um sie aufzuwärmen. Kaltes Wasser kommt aus dem Hahn, wenn man mit seinen Händen auf- und ab wedelt und dabei leicht gegen das Waschbecken tippt – so als würde man versuchen, etwas abzukühlen. Damit der Nutzer intuitiv eine Idee bekommt, wie er mit dem Waschbecken kommunizieren kann, wurden die Sensoren aus Bronze gefertigt. Auf diesem Material hinterlässt das Reiben schnell sichtbare Spuren, die zur Orientierung dienen. Als vernetztes Objekt kommuniziert das Waschbecken außerdem mit dem Warmwasserbereiter, der dieses Verhaltensmuster nutzt, um die entsprechende Menge Warmwasser bereitzustellen.

Foto: Marcel Krijger

Designing the impossible

Objekte die wie Mizu mit Kameras oder Sensoren ausgestattet sind, sammeln Unmengen an Daten. Mizu speichert nicht nur die Gewohnheiten seiner Nutzer, es zeichnet auch Fehlbedienungen und Zweckentfremdungen auf. Mit diesen Informationen kann ein Waschbecken eine verbesserte Version von sich selbst vorschlagen: beispielsweise eine integrierte Anzeige, die über den Wasserverbrauch informiert oder eine Möglichkeit zur Höhenverstellung. Statt zwanzig Produktentwicklern arbeiten zwanzigtausend Waschbecken am Design-Prozess mit – das Objekt selbst wird zum Co-Designer.

Neben Verbesserungen können die Objekte auch Kollaborationen mit anderen Objekten oder völlig neue Produkte vorschlagen. Die Möglichkeiten, Neues zu entwickeln sind nicht mehr durch die Vorstellungskraft einer Gruppe begrenzt – so entstehen innovative und unvorhersehbare Kreationen – wir dürfen gespannt sein.

Can things design things?

Welches Potential steckt im Thing-Centered Design? Was erhoffen sich Designer von der Zusammenarbeit mit Objekten und wohin führt diese Öffnung im Design-Prozess – und schließlich die Frage: Can things design things? Dazu spricht Elisa Giaccardi in diesem TEDx-Talk:

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