Visual

Beyond

Storytelling mit Daten

»What you give up in accuracy, you gain in power«

im Oktober 2017
von Christine Steinhart

Eric Rodenbeck hat eine spezielle Beziehung zu Daten: Er erkennt ihr Potenzial, Geschichten zu erzählen. Und er weiß, wie man es nutzt, um spannende Geschichten zu erzählen. Wissenschaftler, Unternehmen, Institutionen beauftragen ihn damit, den Daten die Geschichten zu entlocken, die sie oft selbst nicht sehen. Mit seiner Agentur für strategische Datenkommunikation Stamen visualisiert er Daten, bevorzugt auf Landkarten.

Das Projekt American Panorama erklärt die amerikanische Geschichte, auf der interaktiven Karte »San Francisco Crimespotting« kann man sich über die Kriminalität in San Franciscos informieren, und das beeindruckende Projekt »Atlas der Emotionen« in Zusammenarbeit mit Dr. Paul Ekman ist nicht weniger als eine kartografische Erschließung der menschlichen Gefühlswelt. Fakten und Zusammenhänge durch die Visualisierung von Daten zu vermitteln, ist aus der Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Es geht aber nicht nur um die Vermittlung bestimmter Sachlagen und Fakten oder um eine ästhetische Übersetzung der Zahlen in Grafiken – das erledigen mittlerweile zahlreiche Tools per Knopfdruck. Eine durchdachte Aufbereitung der Daten kann helfen, Zusammenhänge zu verstehen und Fragestellungen zu bearbeiten.

Aber wie bringt man Daten visuell auf den Punkt? Wie lässt man sie spannende, relevante Geschichten erzählen?

Storytelling mit Daten

Der Vorlesungssaal an der University of California, Berkeley ist voll, die Stühle bis auf den letzten Platz besetzt. Datenvisualisierung wurde in den letzten Jahren zum Buzzword – Rodenbeck betreibt dieses Handwerk schon seit über 15 Jahren. Seine Erfahrungen will er hier mit der Design Innovation Community teilen. Er spricht über seine Begeisterung zu Karten, über die Arbeit seiner Agentur Stamen. Seine Liebe zu Landkarten ist deutlich zu spüren. Zu seiner Auffassung, wie man mit Daten gutes Storytelling betreibt, sagt er:

What you give up in accuracy, you gain in power.

-- Eric Rodenbeck, CEO und Kreativchef von Stamen

Um seine Idee zu illustrieren, zeigt er unterschiedliche Diagramme: Farbige Punkte formieren sich zu einer Achse, einem Stern, einem Nashorn. Dabei handelt es sich um ein- und denselben Datensatz, es ändern sich nur die letzten Nachkommastellen.

Daten manipulieren, ehrlich?

Diese These stößt nicht auf dieselbe Zustimmung wie die farbenfrohen Landkarten, die Rodenbeck zuvor präsentiert hat. Raunen und ironisches Lachen. Eine Wortmeldung scheint vielen aus dem Herzen zu sprechen: Daten manipulieren – dürfen wir das? So glauben wir doch daran, dass Daten per se die Wahrheit abbilden, schließlich sind es Daten!

Rodenbeck antwortet mit einer Gegenfrage: »Bildet ein Foto die Wirklichkeit ab? Schildert ein Zeitungsartikel die Realität?« Die Antwort: ja und nein. Beide Medien bilden einen Teil einer Wirklichkeit ab – und gleichermaßen verhält es sich mit den Daten.

Daten sind nicht die Wirklichkeit – sondern nur ein Teil davon

Die Aufregung legt sich etwas, auch wenn noch viele Fragen im Raum stehen. Wichtig ist, die polarisiernde These Rodenbecks richtig zu deuten: Es geht ihm nicht darum, willkürlich alternative Fakten aus einem Datenmeer zu extrahieren, zu manipulieren oder gar zu täuschen. Vergessen wir einmal, dass Daten aus den unterschiedlichsten Gründen fehlerhaft, unvollständig oder verunreinigt sein können. Fest steht: Daten können immer nur einen Teil einer Wirklichkeit abbilden – nicht anders als ein Foto, ein Video oder ein Artikel. Und genau hier liegt die Chance zu einer guten Geschichte.

Mut zum Aussieben!

Hat man diese Datengläubigkeit einmal bewusst relativiert, kann die Arbeit beginnen. Jetzt beginnt das Aussieben. Dazu muss man sich intensiv mit den Fakten auseinandersetzen, die Daten regelrecht studieren und sich durch viele Schichten arbeiten: Was ist relevant, was passt zusammen, wo tun sich Lücken auf? Das ist zeitintensiv, aber essentiell. Es geht darum, aus einem komplexen Geflecht aus Zahlen, Koordinaten und Parametern die Aspekte freizulegen, die relevante Zusammenhänge aufzeigen und sich zu einer Storyline formieren. Alles andere kommt weg – oder in eine andere Grafik.

So kreiert man aus einer Vielzahl von Zusammenhängen klare Geschichten. Die Power des Storytelling mit Daten besteht darin, etwas nicht zu sagen – und genau damit etwas zu sagen zu haben.

Geben Sie es weiter: Save, Share, Like, Tweet

Teilen und kommentieren Sie diesen Artikel: Wir freuen uns über Ihre Meinung, Ihr Feedback und den Austausch mit Ihnen.

B2B Content Marketing Insights

Impulse für B2B-Marketing- & Strategie, -Konzept und -Technologie direkt ins Postfach