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Innovationsbooster Design Thinking

Fünf Phasen zu mehr Innovation

im November 2017
von Christine Steinhart

Ein neues Produkt, ein neuer Service, ein neuer Prozess findet oft in den Köpfen von Ingenieuren und Technikern seine Anfänge. Aber was wäre, wenn man diesen Prozess umdreht und sich zunächst die Frage stellt, was die Menschen tatsächlich brauchen und wollen? Wenn interdisziplinäre Teams gemeinsam an neuen Produkten und Dienstleistungen arbeiten? Und wenn schon in den frühen Entwicklungsphasen immer wieder getestet und überprüft wird, wie ein Produkt noch besser werden kann?

Eckpfeiler des Design Thinking

Diesen Weg geht Design Thinking: Designer, Ingenieure, Techniker, Sozial- und Kulturwissenschaftler arbeiten in multidisziplinären Teams zusammen. Mit der Methodik des Design Thinking entwickelt das Team eine Fragestellung, im Fokus stehen dabei immer die Bedürfnisse und Motivationen des Kunden (Human-Centered-Approach).

Design Thinking gilt als Innovationsgarant in Zeiten der Industrie 4.0, dem Internet der Dinge, Big Data und Märkten, die komplex, vielschichtig und kaum zu durchschauen sind. Die Idee des Design Thinking kommt aus Kalifornien: Bereits 2003 gründeten David Kelley, Larry Leifer und Terry Winograd die »Stanford d.school« ein Institut für Design Thinking. Unternehmen wie Google, SAP oder die Volkswagen-Gruppe nutzen die Methodik zur Projekt-, Innovations-, Portfolioentwicklung.

Für wen?

Auch wenn Design Thinking ursprünglich zur Lösung IT-naher Problemstellungen entwickelt wurde, bietet die Methodik das Handwerkszeug, um kreative Lösungen und Innovationen von jedem Menschen und jeder Organisation zu entwickeln – so verspricht das Hasso-Plattner-Institut. Da Design Thinking mit einer Fragestellung arbeitet, ist die Methodik nicht auf die Entwicklung von Produkten oder Dienstleistungen beschränkt, sondern kann auf alle möglichen Bereiche angewandt werden.

In den letzten Jahre sind unterschiedliche Modelle entstanden, die den Prozess des Design Thinking beschreiben. Die Modelle sind sich sehr ähnlich, im Folgendem orientieren wir uns am Prozess-Modell der Innovationsagentur IDEO.

Schritt 1: Formuliere eine Frage

Am Anfang steht immer ein Problem, eine Aufgabe, eine Frage. IDEO empfiehlt, mit der Frage »Wie könnten wir …« zu beginnen. Diese Art der Fragestellung macht aus einem Problem eine Möglichkeit. Das »wie« in der Frage ist lösungsorientiert, das »wir« unterstreicht den kollaborativen Ansatz.

Schritt 2: Sammle Inspiration

Beobachten! Wer ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung verkaufen will, muss sich für den Menschen interessieren, für den das Produkt bestimmt ist. Das heißt: genau hinschauen, um die Bedürfnisse und Wünsche kennenzulernen und zu verstehen. Man muss den potenziellen Kunden kennenlernen, sein Verhalten studieren und daraus Rückschlüsse ziehen, was den Alltag für ihn einfacher, komfortabler – schlichtweg besser macht. Hier sind drei Tipps, die helfen, die Bedürfnisse und Wünsche der Persona zu definieren:

  1. Versuche herauszufinden, was der Zielgruppe wichtig ist. Ist sie offen für technische Neuerungen, welche Rolle spielt die Ästhetik, …?
  2. Schaue nach Verhaltensmustern, die sich wiederholen!
  3. Suche nach Adaptionen! Damit gemeint sind Anpassungen, die Menschen entwicklen, damit ein Prozess besser für sie funktioniert. Adaptionen verraten viel darüber, was Menschen wirklich brauchen.

Schritt 3: Entwickle viele – sehr viele – Ideen

Das Wissen aus der Beobachtung soll in diesem Schritt in Ideen überführt werden, die als Antwort auf die Fragestellung zu lesen sind. Der zuverlässigste Weg, eine gute Idee zu generieren, ist viele Ideen zu entwickeln – auch solche, die zunächst absurd oder unrealistisch erscheinen.

The best way to have a good idea is to have a lot of ideas.

-- Linus Pauling, Nobelpreistäger

Zur Ideengenerierung kann man sich verschiedenster Methoden bedienen, das Internet ist voll davon. Hat man genug Ideen gesammelt, schiebt man die offensichtlichen beiseite und freut sich über die wenigen, ungewöhnlichen Ansätze, die übrig bleiben.

Schritt 4: Mach deine Idee greifbar

Einen Prototypen zu entwickeln, ist einer der Grundgedanken des Design Thinking. Der Unterschied zwischen einem abstrakten Konzept und einem Pappkarton mit bunten Zeichen, Schnüren und einem Display ist, dass man von dem Pappkarton lernen kann. Ein Prototyp ist eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, Ideen in einem sehr frühen Stadium zu testen, zu bewerten und Annahmen zu validieren.

Wer noch nie einen Fehler gemacht hat, hat sich noch nie an etwas Neuem versucht.

-- Albert Einstein

Mit den Erkenntnissen, die man daraus zieht, kann man die Idee anpassen oder in die richtige Richtung lenken. Das ist insbesondere in einer komplexen Welt, in der die Vielzahl der Annahmen nur schwer zu verifizieren sind, wichtig.

Schritt 5: Erzähl der Welt von deiner Idee

Klar, damit bekommen wir Feedback. Aber schlussendlich dient dieser Schritt auch dazu, das Ergebnis zu vermarkten. Die starre Grenze zwischen Entwicklung und Marketing wird aufgeweicht. Wichtig ist, die Idee in eine spannende Geschichte zu verpacken, beispielsweise indem man persönlich wird. Das kann bedeuten, die eigene Erfahrung, oder die einer fiktiven Person in die Geschichte einfließen zu lassen.

Iterate, iterate, iterate

Foto: Quelle: Hasso-Plattner-Institut

Design Thinking ist ein offener, iterativer Prozess, der darauf angelegt ist, immer wieder mit neuen Erkenntnissen nachzubessern. Am offensichtlichsten ist das beim Prototyping : Beim Testen zeigen sich die Schwachstellen einer Idee, fehlerhafte Annahmen werden offengelegt. Das heißt: einen Schritt zurückgehen und optimieren. Aber auch die anderen Phasen sind so angelegt: Findet man zu wenige oder ungenügende Ideen, kann es helfen, ein noch umfassenderes Verständnis für die Zielgruppe zu entwickeln.

Mehr zum Thema:

An Introduction to Design Thinking Process Guide der Standford d.school: PDF zum Download

Buchtipp: The Art of Innovation von Tom Kelley

Webinar der Stanford d.school: Design Thinking = Method, not Magic:

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