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Die neue Offenheit: Working Out Loud

Foto: Christine Steinhart

im Januar 2018
von Christine Steinhart

Reden ist Silber und Schweigen ist Gold – das war einmal. Die Zeiten, in denen der geniale Ingenieur still und heimlich neue Ideen zur Serienreife brachte, sind vorbei. In der Unternehmenskultur herrscht eine neue Offenheit: Menschen sprechen in Podcasts über das Erfolgsgeheimnis ihrer Firma, legen die Entwicklung und Herstellung ihrer Produkte offen und über unternehmerisches Scheitern zu sprechen, gehört mittlerweile zum guten Ton. Sogar am Thron der Patente wird gerüttelt. Aber lohnt sich diese Offenheit? Und wenn ja, für wen? Und wie befeuert man den Dialog?

Der Open-Source-Gedanke als Wegbereiter

Will man verstehen, warum Menschen heute bereitwillig über sämtliche Facetten ihrer Arbeit sprechen, lohnt sich ein Blick auf den Erfolg der Open-Source-Bewegung. Die Idee, Code für jeden frei zugänglich zu machen, wurde zum Erfolgsmodell: Linux wird seit über 25 Jahren von quasi jedem, der in ein Display oder einen Monitor blickt, genutzt. Der Open-Source-Gedanke bezieht sich längst nicht mehr nur auf Software, bekanntestes und erfolgreichstes Beispiel ist Wikipedia, die größte Enzyklopädie der Welt. Der offene Umgang mit Code hat keineswegs zum großen Ideenklau geführt, im Gegenteil – das ermutigt, diesen Ansatz auch auf andere Bereiche zu übertragen.

Networking schafft Möglichkeiten

Die Bay Area rund um San Francisco ist mit dem IT- und Technologie-Unternehmertum, den Venture-Capital-Start-Ups und seinen Weltklasse-Universitäten eines der Epizentren für die neue Offenheit, hier wird Transparenz gelebt. Die Schwelle zum Dialog ist ganz allgemein zunächst niedrig: Im Bus bekomme ich Tipps für den nächsten Urlaub und die Kaffeerunde verlasse ich mit fünf neuen LinkedIn-Kontakten in der Tasche. Zugegeben: Bei Sonnenschein von Januar bis Dezember und Temperaturen, die selbst im Winter selten unter 10 Grad fallen, fällt es leichter, offen auf andere zuzugehen. Jeder netzwerkt immer und überall. Networking ist selbstverständlich und damit leicht. Ohne ein funktionierendes Netzwerk findet man keine Kunden und erst recht keinen Job. Und weil man ohne ein solches Netzwerk in vielen Situationen schlichtweg verloren ist, investiert man großzügig in die Vernetzung zu anderen. Die gute Nachricht für alle weniger Extrovertierten: Wer die Haltung, offen und neugierig auf andere zuzugehen und sein Wissen bereitwillig zu teilen, nicht in die Wiege gelegt bekommen hat, kann sie lernen. Die Methode heißt: Working Out Loud (WOL).

Working Out Loud = Observable Work + Narrating Your Work

-- Bryce Williams

Sharing is caring

John Stepper hat das Buch zum Thema geschrieben: »Working Out Loud: For a better career and life«. Er hilft Unternehmen wie Bosch, Siemens und BMW mithilfe von WOL bei der Etablierung einer kollaborativen Arbeitskultur.

Ob es darum geht, Ziele zu erreichen, Probleme zu lösen, neue Fähigkeiten zu erlernen oder sich ein unbekanntes Thema zu erschließen – WOL setzt auf ein funktionierendes Netzwerk aus Personen mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Sie sind ein direkter Zugang zu einem ungemein großen Wissens - und Erfahrungsschatz. Zunächst muss man aber investieren – hier die fünf Grundsätze von WOL:

Die fünf Grundsätze von Working Out Loud:

  • Die wichtigste Regel: Zeig dich! Sprich darüber, was du machst, was du erreichen möchtest, was dich beschäftigt. Und zwar mit jedem: mit dem wortkargen Hausmeister, mit der Kollegin, die ständig auf deinem Parkplatz parkt, mit dem netten Nachbarn oder mit dem Projektleiter, der deine Stelle wegrationalisiert.
  • Beziehungen sind DAS Kernelement beim WOL: Je größer und stabiler dein Netzwerk, desto besser. Neue Bekanntschaften zu machen, ist somit Kernaufgabe des WOL. Beziehungen schaffen ein Gefühl von Verbundenheit und ermöglichen den Zugang zu mehr Wissen. Das ermöglicht selbstbestimmtes Handeln, Agilität – und erhöht die Möglichkeit auf fruchtbare Kollaborationen.
  • »Die Währung beim Networking ist Großzügigkeit«: Großzügig Einblicke in das eigene Handeln und Denken geben, mit Tipps, Ideen, Kontakten um sich werfen. Wer gibt, der bekommt auch – so die feste Überzeugung hinter WOL. Und das passiert auf den unterschiedlichsten Wegen: Wer bereit ist, seine letzte Erfahrung mit dem Relaunch der Website zu teilen, bekommt vielleicht Tipps für Tools, die den Prozess vereinfachen, Kontakte von zuverlässigen Agenturen oder Freelancern. Aber das Schöne an dem Konzept ist, dass man gar nicht auf die Expertise seines Gegenübers angewiesen ist, um von einem Austausch zu profitieren: Ganz unmittelbar ergibt sich die Chance, einen Prozess zu reflektieren und im Gespräch Punkte zu identifizieren, die für künftige Schritte hilfreich sind.
  • Zielgerichtet entdecken: Wer weiß, nach was er sucht, dem fällt es leichter, es zu finden. Es hilft daher, den Gedanken im Hinterkopf zu haben. Wer sich als Projektmanager beruflich neu orientieren will, sucht Input zu diesem Thema. Es ist hilfreich, das Thema bei passender Gelegenheit direkt ins Gespräch einfließen zu lassen, statt die Chance auf wertvolle Tipps mit Small-Talk über den schlechten Kaffee zu verpassen. Hat das Gegenüber keinerlei Input zu diesem Thema? Never mind – einfach mit Gelassenheit zum nächsten Thema schwenken.
  • Wachstumorientierung: Kultiviere eine neugierige und offene Haltung gegenüber neuen Ideen im Beruf sowie im Privaten. Was gestern noch funktioniert hat, kann morgen schon wieder vorbei sein. Solange die AI hinter Alexa und Siri noch in den Kinderschuhen steckt, kommt die wertvollste Inspiration immer noch von echten Menschen!

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