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Datenvisualisierung als Tool

Nicht nur Fakten kommunizieren

im November 2017
von Christine Steinhart

Jeden Tag Every erschaffen wir 2,5 Trillionen Datenbytes2017 werden wir vermutlich ein größeres Datenvolumen kreieren als in den vorherigen 5.000 Jahren der Menschheitsgeschichte. Daten können eine große Macht haben – sofern sie zugänglich, das heißt handhabbar und verständlich sind. Die Kunst besteht heute nicht mehr darin, Daten zu erheben und auf Informationen zugreifen zu können, es geht vielmehr darum, die Masse an Daten auf einem einfachen, logischen und leicht verständlichen Weg darzustellen – willkommen beim Handwerk der Datenvisualisierung.

Diese Daten werden minütlich durch das Consumer Internet produziert (Quelle: Data never sleeps, Juli 2017):

Immer schön visualisieren!

Es ist kein Geheimnis, dass das menschliche Gehirn visuelle Informationen besonders gut verarbeiten und abspeichern kann. Deutlich wird das durch beispielsweise durch Infografiken: Wenn ich mich daran erinnern kann, wie viele Brathendl auf der diesjährigen Wiesn konsumiert wurden, aber nicht darauf komme, wie hoch der ROI der letzten Online-Marketing-Kampagne war, liegt das nicht daran, dass mein Interesse für Brathendl so ungemein größer als für den Erfolg einer Kommunikationsmaßnahme ist. Es ist schlichtweg ein Indiz dafür, welche Information visuell besser präsentiert wurde. Gekonnt visualisiert, brennen sich die skurrilsten Zusammenhängen in unser Gehirn ein.

Datenvisualisierung ist wichtiger denn je

Daten zu visualisieren, ist keineswegs eine neue Idee. Neu ist jedoch die Masse der vorhandenen Daten – das Big-Data-Zeitalter macht eine durchdachte Informationsaufbereitung unumgänglich. Welche Informationen werden wie präsentiert? Es geht dabei nicht nur um die unterhaltsame Aufbereitung von Excel-Tabellen, sondern darum, hochdimensionale Daten so zu visualisieren, dass die entscheidenden Aspekte offengelegt werden – eine komplexe Aufgabe. Die Datenvisualisierung wird zu einem Tool, das neben der Kommunikation von Fakten und Sachlagen in vielen Bereichen Anwendung finden kann: in der Wissenschaft und Forschung, in der Medizin, der Wirtschaft oder sogar bei der Ermittlung komplexer Verbrechen – in allen Bereichen, in denen es darum geht, Informationen schnell zu erfassen und komplexe Zusammenhänge greifbar zu machen, neue Entwicklungen und Verbindungen aufzuzeigen, Fehler zu entdecken oder Prozesse zu überwachen. Zwei außergewöhnliche Beispiele, wie Datenvisualisierung heute zum Einsatz kommt:

Atlas of Emotions

Wut, Trauer, Angst: Emotionen sind unglaublich mächtig. Sie erschüttern, erheben und beherrschen uns. Sich selbstbestimmt durch die Emotionswelt zu bewegen, ist eine Herausforderung. Kein geringerer als der Dalai Lama sah sich dafür verantwortlich, eine Karte als Navigationshilfe für diese so schwer zu beherrschende Kraft zu iniziieren:

When we wanted to get to the New World, we needed a map. So make a map of emotions so we can get to a calm state.

-- Dalai Lama

Mit der Aufgabe betraute seine Heiligkeit den berühmten Psychologen Dr. Paul Ekman. Er sollte ihm einen Überblick über die menschlichen Emotionen verschaffen. Doch selbst für einen solchen Experten für menschliche Emotionen wie Ekman schien es quasi unmöglich, diese Masse an Informationen sinnvoll zu präsentieren. Er holte sich professionelle Hilfe von Eric Rodenbeck und seiner Agentur für strategische Datenvisualisierung Stamen.

Working with Eric and his team wasn’t just about discovering things I didn’t know about my own research, although it certainly was that. I also learned things that I didn’t think it was possible to know about my work.

-- Paul Ekman

Ekman und Rodenbeck trugen viele Gedanken und Ansätze, wie eine solche Übersicht aussehen könnte, zusammen, verwarfen sie wieder und entwickelten einige davon zum »Atlas of Emotions« weiter. Das Ergebnis ist ein beeindruckendes Werk, das Lehrern, Therapeuten und allen Menschen helfen kann, sich selbst und ihre Emotionen besser zu verstehen: https://stamen.com/work/atlas-of-emotions/

Forensic Architecture

Forensic Architecture ist ein unabhängiges Kunst- und Rechercheinstitut, das Verbrechen, meist Menschenrechtsverletzungen, aufdeckt. Das Besondere: Die Informationen zu den Verbrechen sind ungemein umfassend, nach Jahren oder Jahrzehnten schwer zu handhaben, kaum zu durchschauen. Widerspruch ist ein System, um Taten zu vertuschen. Das Team von Forensic Architecture nutzt die Visualisierung von Daten als Tool und erstellt aus einer Vielzahl an Informationen, Bildern, Videos, Zeugenaussagen und Dokumenten ein virtuelles Modell einer Situation. Erst durch eine Visualisierung wird es überhaupt möglich, sich ein Bild von einer solch hochkomplexen Situation zu machen. Die Massenentführung von Iguala, auch bekannt als Ayotzinapa-Fall ist ein Beispiel, wie solch ein Tool aussehen kann: Die Forscher erstellten eine Online-Plattform, in die sie alle vorhandenen Informationen einarbeiteten.

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